Vor dem Hintergrund eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds kommt der steuerlichen Attraktivität zunehmende Bedeutung zu. Wie der «Zürcher Steuermonitor 2015» von KPMG und der Zürcher Handelskammer zeigt, liegt jedoch der Kanton Zürich bei der Besteuerung von Unternehmungen wie auch von sehr gut verdienenden Personen gegenüber anderen Kantonen zurück.

Der Wirtschaftsstandort Zürich ist grundsätzlich robust. Dazu tragen verschiedene für Unternehmungen wie auch natürliche Personen wichtige Standortfaktoren bei. Angesichts der anhaltenden Frankenstärke, der Unsicherheiten im europäischen und asiatischen Wirtschaftsraum und wegen der immer wichtigeren Übereinstimmung mit internationalen Regulierungen treten jedoch Standortfaktoren in den Vordergrund, die grösstenteils (noch) in der Handlungsfreiheit des Kantons Zürich liegen. Zu diesen Faktoren gehört die Steuerpolitik. Doch mit Blick auf die steuerliche Attraktivität liegt der Kanton Zürich sowohl bei der Besteuerung von Unternehmungen wie auch bei der Besteuerung von sehr gut verdienenden Personen gegenüber anderen Kantonen zurück. Dies zeigt der «Zürcher Steuermonitor 2015» von KPMG und der Zürcher Handelskammer.

Anhaltend hohe Unternehmensbesteuerung
Die Analyse der steuerlichen Attraktivität für Unternehmungen zeigt Folgendes:
• Die Steuersätze für Unternehmen sind im Kanton Zürich sowohl für Gewinne als auch für Kapital im Vergleich zu den anderen Kantonen relativ hoch.
• Der Kanton Zürich hat sich dem allgemeinen Trend zur Senkung der Steuersätze in den letzten Jahren nicht angeschlossen.
• Die relative Bedeutung des kantonalen Steueraufkommens von privilegierten Gesellschaften ist im Kanton Zürich vergleichsweise gering.
• Gestützt auf die gesamtschweizerische Analyse, bei der die privilegierten Gesellschaften speziell bei den hohen Steuerbeträgen übervertreten sind, kann geschlossen werden, dass vereinzelte Wegzüge von privilegierten Unternehmen durchaus stark ins Gewicht fallen können.

Sehr hohe Maximalsteuersätze bei natürlichen Personen
Auch die Analyse der steuerlichen Attraktivität für natürliche Personen zeigt für den Kanton Zürich kein vorteilhaftes Bild:
• Die Maximalsteuersätze für natürliche Personen sind im Kanton Zürich im Vergleich zu den umliegenden Kantonen hoch.
• Tiefere und mittlere Einkommen werden eher moderat besteuert, hohe Einkommen dagegen stark.
• Die Vermögenssteuer folgt einem ähnlichen Prinzip: Für tiefere und mittlere Vermögen ist die Besteuerung moderat, für höhere Vermögen jedoch erheblich.
• Ein überdurchschnittlicher Anteil der Steuereinnahmen (71%) wird im Kanton Zürich von wenigen einkommensstarken natürlichen Personen generiert: Dabei tragen knapp 3,5% der Steuerpflichtigen mit einem Einkommen von über CHF 200‘000 fast 40% der Einnahmen bei der Einkommenssteuer.
• Bei der Vermögensbesteuerung sichern rund 3% der Steuerpflichtigen sogar über 75% der kantonalen Einnahmen.

Die genannten steuerpolitischen Schwächen stellen den Kanton Zürich vor besondere Herausforderungen, wenn es gilt, die Standortattraktivität und Innovationskraft in Zeiten anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten und laufender Gesetzesreformen (z.B. Unternehmenssteuerreform III) zu bewahren bzw. weiterzuentwickeln.

Forderungen der Zürcher Handelskammer

Aufgrund der durch die KPMG erfolgten Analyse stellt die ZHK folgende Forderungen:

Besteuerung juristischer Personen
Der Kanton Zürich wird durch die Unternehmenssteuerreform III (UStR III) stark gefordert und muss darauf reagieren.
• Der Zürcher Regierungsrat hat sich – im Gegensatz zu anderen Kantonen – bis jetzt nicht dazu geäussert, wo er die Unternehmenssteuerbelastung zukünftig sieht. Dies schafft Unsicherheit und ist ein Standortnachteil. Der Regierungsrat muss Klarheit schaffen und sich zur angestrebten zukünftigen Steuerbelastung äussern.
• Der Bund erhöht im Rahmen der UStR III den Kantonsanteil bei der direkten Bundessteuer und damit den finanziellen Spielraum des Kantons. Die zusätzlichen Mittel sind zur Senkung der hohen Gewinn- und Kapitalsteuersätze zu verwenden.
• Der Kanton Zürich positioniert sich als Innovationsstandort und forciert den Innovationspark. Diese Standortpolitik muss sich auch im Steuerrecht niederschlagen. Ziel ist eine breite Ausgestaltung der Patentbox (Output-Anreiz). Nötig ist zudem ein Input-Anreiz (Mehrfachabzug von F&E-Kosten).

Besteuerung natürlicher Personen
Im Vergleich zu umliegenden Kantonen ist Zürich für sehr hohe Einkommen und Vermögen nicht attraktiv, wobei vor allem der hohe Grenzsteuersatz ins Gewicht fällt.
• Der Kanton Zürich muss bei der Einkommenssteuer die Progression glätten. Möglichkeiten hierzu sind die Streichung der obersten Progressionsstufte, die Reduktion der Anzahl Progressionsstufen auf zwei bis drei oder die Einführung einer Flat Rate Tax mit (progressiv wirkendem) fixem Abzug nach dem Vorbild Nidwalden.
• Die Progression ist auch bei der Vermögenssteuer zu verflachen.

Steuerstrategie für den Kanton Zürich
Anstelle von unzähligen kleinen, in kurzen Abständen vorgeschlagenen Steuergesetzesänderungen soll ein umfassendes, kohärentes und wachstumsorientiertes Steuerpaket vorgelegt werden, das einen politischen Interessensausgleich ermöglicht und die vorgehend genannten Forderungen enthält.

 

Weiterführende Dokumente:

 

Für Rückfragen:

Für Auskünfte zu den Forderungen an die Politik wenden Sie sich bitte an:
Zürcher Handelskammer
Dr. Regine Sauter
Direktorin
Telefon: +41 44 217 40 50 (am Dienstag, 22.9. von 14.00 - 15.00 Uhr)
E-Mail: regine.sauter@zhk.ch

Für weitere Auskünfte zum Zürcher Steuermonitor wenden Sie sich bitte an:
KPMG AG
Can Arikan
Head of Media Relations
Telefon: +41 58 249 55 71
E-Mail: media@kpmg.ch, www.kpmg.ch

 

Der «Zürcher Steuermonitor»
Der «Zürcher Steuermonitor» von KPMG und der Zürcher Handelskammer ist ein systematischer interkantonaler Vergleich der steuerlichen Wettbewerbsfähigkeit des Kantons Zürich insbesondere mit dessen Nachbarkantonen. Er analysiert die Attraktivität des Kantons bezüglich Besteuerung von Unternehmen und natürlichen Personen sowie Standortqualität und Einnahmestruktur.  

22.09.2015 | 6963 Aufrufe