Digitalisierung und Teilete-Prinzipien öffnen auch der etablierten Wirtschaft neue Türen, statt sie zu gefährden. Spezielle Regulierung ist deshalb kaum nötig. Das ist der Tenor einer Expertendiskussion der Zürcher Handelskammer ZHK.

Ob Digitalisierungstrends mehr Regulierung in der Wirtschaft notwendig machen, wird heiss debattiert. Die Experten des Lunch Talks der ZHK sprachen sich für wenige, aber clevere Regulierung aus. ZHK-Direktorin Regine Sauter erklärte: „Technologieneutrale Regelungen sind angesichts der Geschwindigkeit der Entwicklungen am sinnvollsten.“ Generell biete die Digitalisierung viele Chancen.

Beispielsweise haben laut Jörg Arnold, Vorstandsmitglied des Branchenverbandshotelleriesuisse und Vizepräsident von Zürich Tourismus, Hoteliers gelernt, mit der Digitalisierung umzugehen. „Wir haben gute Trümpfe im Spiel mit neuen Konkurrenten.“ So wollen Schweizer Hotels vom Online-Riesen booking.com für eigene Lösungen lernen.

Als Vertreter des Online-Fahrtenvermittlungsdienstes Uber stand für Rasoul Jalali fest, gerade Zürich sei mit seiner liberalen Regulierung ein gutes Pflaster. Der General Manager Deutschland, Österreich, Schweiz von Uber sieht in der Schweiz aber einige unnötige regulative Hürden. Uber setze Transparenz dagegen. „Uber-Fahrer sind selbstständig – selbst arbeitsrechtlich hat sich wenig geändert. Im Kontrast zu regulären Taxifahrern haben sie jedoch weniger Privilegien“, so Jalali.

Der Stellvertretende Direktor und Chefökonom der Denkfabrik Avenir Suisse, Patrick Schellenbauer, versteht Digitalisierung als eine die Gesamtwirtschaft betreffende Evolution. Es entwickelten sich neue Arbeitsformen, eine höhere Wettbewerbsintensität und stärkere Netzwerke. Er begrüsste, dass gerade Wettbewerbshüter abwartend im Hinblick auf Konzentrationen reagierten. „Gewisse Grössen müssen erreicht werden, damit es funktioniert. Dabei versagen traditionelle Diagnosen von Marktmacht“, so Schellenbauer. Es müssten zwar gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle gelten, doch voreiliger Eingriff in Mechanismen sei kontraproduktiv. yvh

Quelle: Café Europe

21.10.2016 | 4943 Aufrufe