Die Schweiz tut gut daran, sich auf einen erfolgreichen Abschluss des Freihandelsabkommens zwischen der EU und der USA einzustellen. Das zeigt eine Veranstaltung der ZHK. Bleibt sie ausgeschlossen, drohen ihr gewichtige Nachteile.

Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen (TTIP) zwischen der EU und den USA stehen im Gegenwind. Sowohl in Europa als auch in Amerika mehrt sich die Kritik. Für Martin Naville gehört das zu den üblichen Begleiterscheinungen von Verhandlungen. Der CEO der Swiss-American Chamber of Commerce geht denn auch davon aus, dass die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden. „Wenn es kommt, dann müssen wir bereit sein“, sagte er an einem Lunch Talk der Zürcher Handelskammer. „Es steht viel auf dem Spiel.“ Die Schweiz dürfe nicht hoffen, dass die USA ein separates Freihandelsabkommen mit der Schweiz schlössen. Der einseitige Abbruch der Verhandlungen über ein solches Abkommen durch den Bundesrat Anfang 2006 sei in Washington unvergessen. Die Schweiz könne nur hoffen, mit den anderen Ländern der Europäischen Freihandelsorganisation (EFTA) zum nachträglichen Beitritt zum TTIP eingeladen zu werden. Dann müsse sie vorbereitet sein. Dazu brauche es Reformen in der Landwirtschaft. 2006 hatte der Druck der Agrarlobby zum Abbruch geführt.

Jan Atteslander machte deutlich, was für die Schweizer Wirtschaft auf dem Spiel steht: 70 Prozent der Exporte gehen in die EU und die USA, 79 Prozente der Importe kommen von dort, 62 Prozent aller Schweizer Auslandsinvestitionen gingen dorthin. „Unser Ziel ist es, den diskriminierungsfreien Zugang sowohl in den USA als auch in der EU sicherzustellen“, so der Leiter Aussenwirtschaft von economiesuisse.

Hans Gut, Managing Director von MAN Diesel & Turbo Schweiz, machte den Unterschied an einem Beispiel deutlich: Wenn sein Unternehmen Kompressoren nach Oman liefere, dann habe es gegenüber europäischen Konkurrenten einen Preisvorteil von 7 Prozent – die Schweiz habe ein Freihandelsabkommen mit dem Golfstaat, die EU nicht. Schlösse sich die Schweiz nicht dem TTIP an, dann hätten Schweizer Unternehmen solche Nachteile auf den wichtigsten Märkten. Und Martin Naville: Für die Einrichtung überregionale Managementzentren, Logistikzentren und Fertigungszentren multinationaler Unternehmen wäre die Schweiz nicht mehr interessant.

Regine Sauter, Direktorin der ZHK und FDP-Nationalrätin, warnte denn auch: „Die Schweiz droht ins Abseits zu geraten.“

Quelle: Café Europe

Hier finden Sie die Präsentationen der Referenten:

01.09.2016 | 15998 Aufrufe