Um zur Lösung eines Problems zu kommen, kann es dienlich sein, dieses einmal von einer anderen Seite zu betrachten. Genau dies hat Roger Nitsch, Gründer des Biotech-Unternehmens neurimmune und Referent an unserer diesjährigen GV, getan. Statt der Ursache auf den Grund zu kommen, weshalb ein Drittel der betagten Bevölkerung an Alzheimer erkrankt, hat er sich der Frage zugewandt, was es ausmacht, dass zwei Drittel davon verschont bleiben. Die Erkenntnis, die er daraus gewonnen hat, war der Grundstein für die Entwicklung eines Medikamentes, das Alzheimer nicht nur verhindern, sondern sogar heilen können wird.

Diese Forschungstätigkeit fand in einem Spin-off der Universität Zürich im Bio-Technopark in Schlieren statt. Auf diesem ehemaligen Fabrikgelände mit sprödem Charme passieren Spitzenleistungen, die den weltweiten Ruf der Schweiz als Innovationsstandort mitbegründen. Hier an der Schnittstelle zwischen Universität und Wirtschaft finden sich Rahmenbedingungen, die dafür mitentscheidend sind: Exzellente Köpfe, eine gute Infrastruktur und eine genügende Finanzierung.

Die hier tätigen Forscherinnen und Forscher empfinden ihre Situation als ideal und privilegiert: Hier können sie „richtig gute Startups machen“, wie sie selber sagen. Das war im Kanton Zürich nicht immer so. Die Gründung des heute erfolgreichen Pharmaunternehmens Biogen etwa erfolgte Ende der 70er Jahre in Genf statt in Zürich, weil hier die Haltung bestand, dass es unmoralisch ist, wenn Professoren unternehmerisch tätig sind. Dass man aus dieser verpassten Chance gelernt hat, ist erfreulich. Heute unterstützt die Universität Startup-Projekte, die aus der Forschung in ihren Hallen entstehen, im Bewusstsein, dass sie selber, aber auch der Kanton Zürich, davon profitiert. Alleine schon die Erträge aus Lizenzen sind positiv, ganz zu schweigen von den Arbeitsplätzen, die geschaffen werden. Zu diesem Ökosystem, das solche top Leistungen ermöglicht, gilt es Sorge zu tragen. Das meinen wir, wenn wir vom Innovationsstandort Zürich sprechen.

Professor Nitsch und seinem Team wünschen wir weiterhin viel Erfolg. Dass wir es eines Tages deren Forschung verdanken könnten, dass Alter für viele nicht mehr automatisch Demenz bedeutet, ist eine wunderschöne Vorstellung.

Kommentar von Regine Sauter, 6. Juli 2017

06.07.2017 | 838 Aufrufe