Wäre ein Politiker wie Winston Churchill heute noch denkbar? Oder ist die Brillanz des Mannes, der uns auch 50 Jahre nach seinem Tod noch fasziniert, Ergebnis der Umstände seiner Zeit? Sicher war der britische Premier ein Ausnahmetalent: gewiefter Leader und Stratege, aber auch exzellenter Rhetoriker und Literat. Nach Ansicht unseres Referenten an der diesjährigen Generalversammlung, Thomas Kielinger, war es aber vor allem die Existenz eines Gegenpols in der Person von Hitler, welcher aus Churchill eine herausragende Figur gemacht hat. Die Frage, ob es Politiker vom Format Churchills heute noch geben könne, ist deshalb eine auch «rhetorische». «Das wünscht man sich nicht», sagt Kielinger dazu.

Dennoch – der Blick zurück und die Reflexion darüber, wo Europa vor 70 Jahren stand, und das «Was-wäre-wenn», ist gerade heute wieder angebracht. In einer Zeit, in der Europa vor grössten Herausforderungen steht, man mit einem Russland konfrontiert ist, das neue Machtgelüste hegt, Staaten im Nahen Osten in Bürgerkriegen zerfallen und sich antidemokratische und terroristische Gruppierungen des Vakuums bemächtigen.

Die Schweiz ist gefordert, sich mit ihrem Platz in diesem Europa auseinanderzusetzen, auch als nicht EU-Mitglied. Wirtschaftliche, demokratische, völkerrechtliche Aspekte müssen dabei ausgeleuchtet werden. Auch das erachten wir als Aufgabe der Zürcher Handelskammer: Gedankenanstösse zu liefern, Möglichkeiten zur Diskussion zu bieten. Einmal mehr hatte unsere Generalversammlung diesen Anspruch, und wir meinen, sie hat ihn wiederum erfüllt.

Lesen Sie dazu das Referat von Thomas Kielinger und die Ansprache unserer Präsidentin Karin Lenzlinger. Und schauen Sie sich bei dieser Gelegenheit auch gleich alle Fotos an.

Wir wünschen Ihnen einen schönen Sommer!

Kommentar von Regine Sauter, 7. Juli 2015

07.07.2015 | 7815 Aufrufe