Kanton Zürich muss sich steuerlich für schwierige Zeiten rüsten

Medienmitteilung vom 22. Oktober 2013

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Im interkantonalen Vergleich zur Besteuerung von natürlichen Personen ist der Kanton Zürich lediglich für Personen mit tieferen und mittleren Einkommen attraktiv. Bei den Unternehmen besteht bereits auf tieferen Gewinnstufen ein relativ hohes Besteuerungsniveau. Der Kanton Zürich verfügt zwar über eine hohe Standortattraktivität, muss diese aber in Anbetracht der grossen bevorstehenden Herausforderungen unter anderem mit steuerlichen Massnahmen breiter abstützen. Dies zeigt der «Zürcher Steuermonitor 2013» von KPMG und der Zürcher Handelskammer.

Mit dem «Zürcher Steuermonitor» haben KPMG und die Zürcher Handelskammer (ZHK) gemeinsam die Situation des Kantons Zürich im interkantonalen, tarifären Steuerwettbewerb und mit Blick auf die Besteuerung von natürlichen und juristischen Personen analysiert. Die Analyse zeigt, dass im Kanton Zürich bei den natürlichen Personen vor allem bei den höheren Einkommensklassen Handlungsbedarf besteht. Bei den Unternehmen liegt Zürich im kantonalen Vergleich zudem eher im hinteren Bereich, wobei der Kanton – noch – von positiven Standortfaktoren profitiert. Die wichtigsten Fakten der Analyse zusammengefasst:

Hohe Unternehmensbesteuerung schon bei tiefen Gewinnen

  • Die Steuersätze für Unternehmen sind im Kanton Zürich sowohl für Gewinne wie Kapital im Vergleich zu den anderen Kantonen relativ hoch. 

  • Dem allgemeinen Trend zur Senkung der Steuersätze hat sich der Kanton in den letzten Jahren nicht angeschlossen. 

  • Im Kanton Zürich besteht bereits für tiefere Gewinnstufen ein vergleichsweise hohes Besteuerungsniveau. 

  • Die Anzahl privilegiert besteuerter Gesellschaften, speziell Verwaltungs- und gemischte Gesellschaften, fällt im Kanton Zürich klein aus. Entsprechend kann ihre Bedeutung als eher gering eingestuft werden.

Hohe Maximalsteuersätze bei natürlichen Personen

  • Die Maximalsteuersätze für natürliche Personen sind im Kanton Zürich im Vergleich zu den umliegenden Kantonen hoch.

  • Tiefere und mittlere Einkommen werden eher moderat besteuert, hohe Einkommen dagegen stark. 

  • Die Vermögenssteuer folgt einem ähnlichen Prinzip: Für tiefere und mittlere Vermögen ist die Besteuerung moderat, für höhere Vermögen jedoch erheblich. 

  • Ein überdurchschnittlicher Anteil der Steuereinnahmen wird im Kanton Zürich durch die Beiträge von natürlichen Personen generiert. 

Standortqualität insgesamt (noch) sehr hoch

  • Die generelle Standortqualität des Kantons Zürich kann als hoch bezeichnet werden.

  • Der Kanton Zürich ist jedoch im tarifären Steuerwettbewerb nur für natürliche Personen mit tieferen Einkommen konkurrenzfähig. Bei höheren Einkommen hat er stark an Attraktivität verloren. 

  • Speziell der Zuzug von quellenbesteuerten Personen weist auf eine starke wirtschaftliche Dynamik, aber auch Fluktuation hin.

  • Die Pendlerstatistik weist allerdings darauf hin, dass der Kanton Zürich im Vergleich zu den umliegenden Kantonen in der Attraktivität als Wohnkanton eher zurückliegt. 

Gezielte langfristige Stärkung des Steuersubstrats nötig 
Damit der Kanton Zürich seine Standortattraktivität angesichts der anstehenden Unternehmenssteuerreform III und möglicher Änderungen beim neuen Finanzausgleich breiter abstützen und sein volkswirtschaftliche Potenzial noch besser ausschöpfen kann, werden folgende Forderungenbei der Unternehmensbesteuerung erhoben: 

  • Erarbeitung einer proaktiven Steuerstrategie, v.a. im Hinblick auf die direkten und indirekten Folgen der Unternehmenssteuerreform III

  • Gesetzliche Anpassungen in Bereichen, in denen Zürcher Unternehmen gegenüber ausserkantonalen benachteiligt sind 

  • Erhebung aussagekräftiger Daten 

  • Senkung der Gewinn- und Kapitalsteuersätze 

Handlungsbedarf ist bei der Besteuerung natürlicher Personen insbesondere bei den sehr gut verdienenden und vermögenden Personen gegeben. Diese leisten einen markant überproportionalen Anteil an das Steuersubstrat und tragen damit zum Wohlstand im Kanton bei. Allerdings können gerade diese Personen mit geringem Aufwand in steuerlich attraktivere Nachbarkantone abwandern. Konkret verlangt die ZHK:

  • Streichen der obersten Tarifstufe bei der Einkommensbesteuerung

  • Inkaufnahme kurzfristiger Steuerausfällen, um das Substrat langfristig zu stärken

  • Abflachen der sehr steilen Progression bei den Vermögenssteuern

Nachhaltige Weiterentwicklung der Standortattraktivität
Der Kanton Zürich verdankt seine heutige Attraktivität im Wesentlichen seiner Zentrumslage, der guten Infrastruktur und den hervorragenden Bildungseinrichtungen. Zudem profitiert er stark von der gegenwärtigen wirtschaftlichen Dynamik in der Schweiz und der Verunsicherung im EU-Raum. Viele dieser Erfolgsfaktoren unterliegen jedoch einer hohen Volatilität. Die ZHK fordert daher:

  • die Entwicklung einer wirksamen und nachhaltigen proaktiven Steuerstrategie

  • die (Re-)Positionierung des Kantons auch als Wohnkanton

  • eine Finanzpolitik, die sich nicht auf dauerhaft wachsende Steuererträge verlässt

  • eine stärkere Positionierung im Innovationsbereich

Der «Zürcher Steuermonitor»
Der «Zürcher Steuermonitor» ist ein systematischer interkantonaler Vergleich der steuerlichen Wettbewerbsfähigkeit des Kantons Zürich insbesondere mit deren Nachbarkantonen. Er analysiert die Attraktivität des Kantons bezüglich Besteuerung von Unternehmen und natürlichen Personen sowie Standortqualität und Einnahmestruktur. Der «Zürcher Steuermonitor» ist eine Kooperation von KPMG und der Zürcher Handelskammer und wurde 2013 erstmals publiziert.

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KPMG AG
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Zürcher Handelskammer
Dr. Regine Sauter
Direktorin
Telefon: +41 44 217 40 50
E-Mail: regine.sauter@zhk.ch
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22.10.2013 | 8343 Aufrufe