Nein zur Stipendieninitiative:

Die Schweizer Wirtschaft ist auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen, wenn sie weiterhin erfolgreich bleiben will. Das ist unbestritten! Junge Leute in der Schweiz best möglich auszubilden, ist somit ein Gebot der Stunde. Die am 14. Juni zur Abstimmung gelangende Stipendieninitiative gibt Anlass, sich die Frage zu stellen, ob diesbezüglich Handlungsbedarf besteht.
 
Unser Land verfügt über ein hervorragendes Bildungswesen – Hochschulen und Universitäten mit internationalem Ruf – und um unsere berufsbezogene Ausbildung mit Lehre und anschliessend möglicher Weiterbildung beneidet man uns vielerorts. Dieses System von Aus- und Weiterbildung ist für alle zugänglich. Im Gegensatz zu Ländern, in denen eine gute Ausbildung nur vermögenden Eliten möglich ist, kann in der Schweiz jeder – seine Fähigkeit vorausgesetzt – studieren. Zum einen sind die Kosten für die Ausbildung selber tief – Schweizer Studiengebühren sind bescheiden – zum anderen gibt es ein funktionierendes kantonales Stipendienwesen. Dieses gewährleistet, dass gezielt jene Personen unterstützt werden, die nicht über die finanziellen Möglichkeiten für ein Studium verfügen. Damit erreicht man Chancengleichheit.
 
Die Mittel, welche die öffentliche Hand heute für Bildung ausgibt, sind somit richtig investiert: Kanton und teilweise Bund finanzieren an erster Stelle Bildung für alle. Alleine die Ausgaben des Kantons Zürich für Universität, Fachhochschulen und höhere Fachschulen betragen pro Jahr über eine Milliarde Franken. Stipendien der öffentlichen Hand, aber auch durch private Organisationen, kommen ergänzend zum Zug.
 
Die Stipendieninitiative würde dieses bewährte System verkehren. Neu sollen Studentinnen und Studenten ohne Berücksichtigung ihres finanziellen Hintergrunds Anspruch auf Ausbildungsbeiträge haben, die einen minimalen Lebensstandard gewährleisten. Der Bund würde deren Höhe festlegen, die Kantone wären verpflichtet, die Vorgaben umzusetzen. Schweizweit müsste die Stipendienvergabe einheitlich geregelt werden. Dies ist klar abzulehnen. Zum einen wären Mehrkosten von rund 500 Millionen Franken jährlich die Folge. Geld, das mit der Giesskanne verteilt, statt gezielt eigesetzt wird. Zum anderen, und aus meiner Sicht noch gravierender, wirft die Initiative die heutige sinnvolle Regelung, dass die Kantone für das Bildungswesen und mithin auch eine Stipendienregelung verantwortlich sind, über den Haufen.
 
Wir haben heute eine vielfältige schweizerische Bildungslandschaft, die Top-Kräfte hervorbringt, die die Schweiz in allen Bereichen weiterbringen. Eine neue Bundeskompetenz braucht es nicht. Lehnen wir die Initiative deshalb ab!

Kommentar von Regine Sauter, 2. Juni 2015

02.06.2015 | 10172 Aufrufe