Der Amtsantritt des neuen amerikanischen Präsidenten, die Brexit-Strategie der britischen Premierministerin und der Besuch des chinesischen Staatsoberhauptes in der Schweiz – diese drei Ereignisse haben einen gemeinsamen Nenner: das Thema Freihandel. Alles andere als gleich fällt hingegen dessen Beurteilung aus. Donald Trump will ihn unterbinden und hat auch bereits die Beteiligung der USA am transpazifischen Abkommen abgesagt. Theresa May sieht im Freihandel ein Instrument zur Etablierung eines „Global Britain“. Die Schweiz und China loben die positiven Auswirkungen eines fairen und offenen Welthandels.

Schweiz gewinnt durch Freihandel

Wirft man einen Blick zurück auf die Geschichte, stellt man fest, dass Freihandel massgeblich zur Steigerung der Wirtschaftsleistung der daran beteiligten Länder beitrug und damit Grundlage für einen höheren Wohlstand der Bevölkerung war. Diese Erkenntnis steht hinter der Gründung des GATT, der heutigen WTO, und war auch Treiber für den Abschluss zahlreicher Freihandelsabkommen durch die Schweiz. Heute ist unser Land mit 69 Ländern über ein solches Abkommen verbunden, wobei der grosse Teil davon über die EFTA (European Freetrade Association) abgedeckt wird; mit der EU, Japan, China und den Färöer-Inseln bestehen bilaterale Abkommen.

Intensivierung der Aussenhandelsbeziehungen nötig

Die Schweiz ist denn auch gut gefahren mit der Strategie der offenen Märkte. Als kleines Binnenland ohne eigene Bodenschätze konnte sie sich gar nichts Anderes leisten. Im Zeitalter der Globalisierung gilt dies umso mehr. Verglichen mit anderen Ländern hat unser Land in Bezug auf Marktöffnung in den letzten Jahren jedoch an Boden verloren. Der Thinktank Avenir Suisse kommt zum Schluss, dass Importbarrieren aufgrund von Normen, Zertifikaten oder Zöllen im Agrarsektor eine bessere Positionierung verhindern. Die Schweiz schöpft mit anderen Worten ihr Potential nicht aus. Nötig ist deshalb eine Anpassung respektive Intensivierung der aussenwirtschaftlichen Strategie der Schweiz. An erster Stelle steht der Abschluss weiterer Freihandelsabkommen mit für unsere Wirtschaft wichtigen Ländern. Dass dies aber nicht ohne Öffnung gewisser Bereiche auf unserer Seite einhergehen kann, versteht sich von selbst. So ist für potentielle Handelspartner die Abschottung unserer Landwirtschaft ein Stein des Anstosses, sind es doch meistens Schwellenländer mit grossem Landwirtschaftssektor, mit denen die Schweiz noch nicht über Freihandelsabkommen verbunden ist. Hier müssen Liberalisierungsschritte erfolgen – an erster Stelle der Abbau von Importzöllen oder Einfuhrbeschränkungen – damit wir nicht zugunsten eines Bereiches, der nur einen kleinen Anteil zu unserem Bruttosozialprodukt beiträgt, auf Produktivitätsfortschritte für die gesamte Wirtschaft verzichten müssen.

Gewinner sind die Konsumenten

Zugegeben: die Ausgangslage der am Anfang genannten Länder sind sehr unterschiedlich. Die USA kann ihrer Wirtschaft mit ihren rund 350 Mio Einwohnerinnen und Einwohnern einen anderen Binnenmarkt bieten als die Schweiz der ihrigen mit 8 Mio Einwohnern. Grossbritannien als ehemalige Seefahrernation ist sich die internationale Verflechtung gewohnt. Und China hat eine strategische Entscheidung gefällt, seine Wirtschaft zu globalisieren. Für alle Länder gilt aber: Gewinner von Freihandel sind letztlich die Konsumenten, die aufgrund intensiveren Wettbewerbs von einer grösseren Auswahl, tieferen Preisen und besserer Qualität profitieren können. Und auch Herr Trump könnte sich irren, wenn er meint, die Amerikaner würden nur noch Chevis fahren und auf BMWs verzichten wollen.

Kommentar von Regine Sauter, 30. Januar 2017


 

 

30.01.2017 | 7343 Aufrufe